Farben, Farbkonzepte, bessere, Fotos

6 grundlegende Farbkonzepte für bessere Fotos

Wie kann die Farbenlehre Euch zu einem besseren Fotografen machen? Dieser Beitrag soll die Bedeutung von Farbe in der Fotografie beleuchten und zeigen, wie Ihr mit diesem Verständnis Eure Fotografie verbessert.

Das Farbrad

Als Kinder lernten wir, dass Rot, Blau und Gelb Primärfarben sind. Farben, die auf dem Farbrad gegenüber liegen (Grün, Orange und Violett), sind Komplementärfarben. Primärtöne sind reine Farben, also keine Kombination aus mehreren separaten Farben. Komplementärfarben hingegen ergeben sich durch das Mischen von zwei Primärfarben.

Fotografie, Foto, Farbe, Farbenrad

Wie bezieht sich das jetzt auf die Fotos, die Ihr macht? Wir haben es kurz in Punkt vier dieses Beitrags “5 wichtige Tipps für Fotografie-Einsteiger” erwähnt. Aber simpel ausgedrückt: Farben sieht man nur durch Licht, und Fotografie zeichnet im Grunde die Reflektionen von Licht auf. Wer nun die Bedeutung von Farben versteht, wird seine Fotografie verbessern und seine Idee einfacher kommunizieren können.

Schauen wir uns nun sechs wichtige Überlegungen in der Farbenlehre an. Wir unterscheiden Farbe nach diesen drei Gesichtspunkten: Farbton, Sättigung und Luminanz. Deswegen erklären wir diese am Anfang.

1. Farbton

Wenn wir sagen, eine Farbe ist orange, olive oder rosa, dann beziehen wir uns auf ihren Farbton. Im Grunde ist es nur ein sehr gleich klingendes Wort für Farbe.

2. Sättigung

Sättigung (auch Chroma genannt) bezieht sich auf die Intensität des Farbtons und seine Reinheit. Eine gesättigte Farbe entsteht, wenn eine bestimmte Wellenlänge mit einer hohen Intensität reflektiert wird. Fällt die Intensität ab, verringert sich auch die Sättigung. Farben, die mit Weiß (ein Farbton), Schwarz (eine Schattierung) oder einer anderen Farbe gemischt werden, sind weniger gesättigt als reine Farben.

Hier ist das gleiche Foto mit einer unterschiedlichen Bearbeitung. Einmal mit gesättigten und einmal mit ungesättigten Farben.

Farbe, Fotografie, Foto, gesättigte, ungesättigte

Wie Ihr die Bearbeitung Eurer Bilder durchführt, ist dabei ganz Eurem persönlichen Geschmack überlassen. Welche Stimmung Ihr ausdrücken wollt, oder ob das Bild in einer Serie erscheinen soll, sind dabei bestimmt entscheidende Faktoren.

3. Luminance

Die Luminance gibt an, wie hell oder dunkel ein Farbton ist. In der Fotografie wird dies in der Regel durch die Belichtung geregelt. In Eurer Kamera findet Ihr die EV-Einstellungen meist sehr sichtbar auf dem Display oder auf einem Knopf mit so einem Zeichen. Diese könnt Ihr verändern, meist von -2 bis +2. Damit sagt Ihr der Kamera, dass sie das Bild eine Einheit heller oder dunkler belichten soll – vom Normalwert ausgehend.

EV, Button, Pentax

Ein blaues Objekt, das unterbelichtet wird, erscheint dunkler (weniger hell) als dasselbe Objekt, wenn es überbelichtet wird. Die beiden Bilder erzeugen unterschiedliche Gefühle und Stimmungen. Das untere hat eine hellere Luminance als das obere in den blauen Bereichen.

Luminance, Fotografie, Farbe, Foto

Fotografie, Farbe, Luminance, Foto, Blau

Als Fotograf sollte man sich sich fragen, welche Geschichte man erzählen möchte. In dem oben gezeigten Bild kann man sehen, dass durch die Veränderung der Luminance im Bild der Fokus einmal auf die Straße und das andere Mal auf die Mitte des Bildes gelegt wird. Welchen Fokus Ihr setzen wollt, liegt an Euch als Fotograf. Ihr müsst die Rolle der Farben in Eurer Geschichte definieren.

4. Warme und kalte Farben

Es wird in der Fotografie zwischen Farbtemperaturen unterschieden. Rot, Orange und Gelben werden als warme Farben bezeichnet, wobei Blau, Grün und Lila als kalte Farben gesehen werden.

Beiden Farbtemperaturen werden verschiedene Eigenschaften zugeordnet.

  • Warme Farben werden vom Auge als intensiver empfunden als kalte.
  • Warme Farben stechen hervor. Kalte Farben rücken in den Hintergrund.
  • Warme Farben stimulieren unser Gehirn. Kalte Farben haben einen beruhigenden Effekt.
  • Licht, integraler Bestandteil eines Fotos, kann warm oder kalt sein. Schaut Euch die beiden Bilder hier an. Die Farbtemperatur der verregneten Landschaft und des Sonnenuntergangs am Strand.

Wir messen die Farbe des Lichts in Kelvin. Ein klarer Sonnenuntergang misst ungefähr 2.000 K, Mittagssonne im Sommer hat ungefähr 5.500 K und Schatten 8.000 K. Dabei sagt uns die Größe der Zahl, wie kalt oder warm das Licht ist. Je größer die Zahl, desto kälter oder blauer ist das Licht, das Euer Motiv beleuchtet.

5. Harmonie und Disharmonie

Wir haben schon von Lichtstimmung gesprochen. In dieser können wir nun Harmonie oder Disharmonie erzeugen, indem wir spezielle Farben wählen. Harmonie entsteht, wenn im Bild drei benachbarte Farben vom Farbkreis zusammen verwendet werden, wobei die mittlere Farbe eine Primärfarbe sein muss.

Als Beispiel: Blau wirkt harmonisch, wenn man Grün und Violett dazu verwendet. Gelb mit Grün und Orange kombiniert wirkt harmonisch. Und, wie im Beispiel hier unten gezeigt, Rot mit Orange und Violett.

Foto, Harmonie, Frau, Rot

Disharmonie erzeugen Farben, die auf dem Farbkreis getrennt oder gegenüberliegen. Die Kombination dieser Farben ist visuell störend – sie kollidieren. Diese Kombination kann unangenehm sein, aber auch für viel Spannung in einem Bild sorgen. Das untere Bild zeigt Euch, was wir mit Aufregung meinen.

Disharmonie, Fotografie, Farbe, Rot, blau

6. Kontrast

Johannes Itten, ein Schweizer Maler, Pädagoge und herausragender Farbentheoretiker, identifiziert sieben Arten von Farbkontrasten:

  • Kontrast des Farbtons
  • Kontrast von hell und dunkel
  • Kontrast von kalt und warm
  • Kontrast der Komplementärfarben
  • Sättigungskontraste
  • Quantitätskontrast
  • Simultankontrast

Die ersten fünf Arten haben wir hier schon angerissen. Die letzten zwei sind komplexer und brauchen eine ausführlichere Erklärung, wobei der Simultankontrast nicht in der Fotografie eingesetzt werden kann.

Quantitätskontrast:

Dieser Kontrast behandelt die flächenmäßige Verteilung zweier unterschiedlicher Farben. Sind Helligkeitswerte und Fläche gleich groß, wirken sie harmonisch. Verändert sich aber der Wert einer Farbe, baut sich im Bild eine Spannung auf. Ein gutes Beispiel ist das Flächenverhältnis von 2 zu 1, wenn Blau und Orange harmonisch wirken sollen. Man benötigt eine doppelt so große blaue Fläche, um das warme und leuchtende Orange in eine Harmonie zu bekommen.

Kontrast, Farbe, Fotografie

Wir hoffen, Ihr konntet etwas aus diesem Beitrag lernen und versteht nun den Einsatz von Farben besser. Die Theorie hinter der Farbenlehre kann schwierig sein, sollte Euch aber nicht abhalten, reinzuschnuppern. Wir sind uns sicher, dass sich Eure Fotografie verbessern wird, wenn Ihr nur ein paar dieser Grundlagen im Hinterkopf behaltet. Besonders beim Nachbearbeiten Eurer Bilder solltet Ihr ein Auge darauf werfen.

In weiteren Beiträgen werden wir auch über Bildbearbeitung reden und uns anschauen, wie diese funktioniert.