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Porträts mit dem Smartphone? So geht’s…

Mit der richtigen Beleuchtung zu tollen Smartphone-Porträts

Die beste Kamera ist diejenige, die man immer dabei hat! Diesen Satz hat der bekannte amerikanische Fotograf Chase Jarvis geprägt. Heutzutage sind das natürlich die Smartphone-Kameras. Auch wenn sich diese in den letzten Jahren ständig verbessert haben, kommen sie immer noch nicht an Kompakt- oder gar Spiegelreflexkameras heran. Besonders deutlich bemerkt ihr die Schwächen eurer Smartphones wahrscheinlich, wenn ihr euch an Porträts oder Selfies versucht – vor allem in Innenräumen.

Sorgt für genug Licht

Die größte Schwachstelle der Smartphone-Fotografie ist die Tatsache, dass ihr für gute Bilder wirklich viel und vor allem geeignetes Licht benötigt. Gleichzeitig ist es vor allem die Beleuchtung, die ein professionelles Porträt von einem amateurhaften Schnappschuss unterscheidet.

Der Himmel als Diffusor

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Der Vergleich zeigt eine Gegenlichtaufnahme (oben) und bedeckten Himmel (unten).  Fotos von Benolt Renaud CC by 2.0

Licht gibt es zur Mittagszeit an einem sonnigen Tag natürlich im Überfluss; aber dennoch ist es kaum für gute Porträtaufnahmen geeignet: Es fällt ungefiltert von oben auf den Porträtierten und wirft deshalb harte Schatten auf sein Gesicht.

Sehr viel bessere Aufnahmen bekommt ihr bei bewölktem Himmel. Dann ist einerseits genug Licht vorhanden, das die Handykamera einfangen kann; andererseits wird das Sonnenlicht durch die Wolken gestreut und fällt weich auf das Gesicht eures Models. Profifotografen sprechen in diesem Zusammenhang von einem Diffusor: In der Studiofotografie ist dies beispielsweise ein mit Textilmaterial bespannter Rahmen, ein Schirm oder eine Plexiglasscheibe, durch die der Fotograf entweder seinen Blitz abfeuert oder seine Studioleuchte auf das Motiv richtet. Der Effekt ist stets derselbe: Das Licht wird gestreut, die Schatten auf dem Gesicht des Porträtierten wirken weich und schmeichelhaft.

Habt ihr einen schönen, sonnigen Tag erwischt, solltet ihr euch im Freien einen halbschattigen Ort suchen, an dem ihr fotografieren könnt, zum Beispiel einen großen Baum mit lichtem Blattwerk. Auch ein Partyzelt ist gut als Diffusor geeignet.

Und im Innenraum?

In Innenräumen können faszinierende Porträts entstehen – durchaus auch mit der Smartphone-Kamera. Schaltet dazu alle künstlichen Lichtquellen ab und versucht es mit dem Licht, das durch ein möglichst großes (am besten nach Norden ausgerichtetes) Fenster fällt. Dies bietet euch eine Fülle spannender und kreativer Möglichkeiten.

Wichtig: Scheint die Sonne direkt ins Fenster – beispielsweise morgens oder nachmittags – erhaltet ihr kein gutes Porträtlicht. Besser ist es, wenn die Sonne hoch am Himmel steht. Hängt gegebenenfalls ein weißes, dünnes  Textilmaterial oder Pergamentpapier als Diffusor vor das Fenster, um das Licht stärker zu streuen und einen weicheren Effekt auf dem Gesicht des Porträtierten zu erzielen. Ebenso wichtig ist der Abstand eures Models vom Fenster: Je weiter es sich vom Fenster entfernt, desto stärker werden die Kontraste auf der dem Licht abgewandten Gesichtsseite.

Habt ihr eure Experimente mit Fensterlicht einmal begonnen, merkt ihr sehr rasch, wie stark die Wirkung eures Porträts (oder Selfies) vom Winkel zwischen Gesicht und Fenster abhängt. Frontales Fensterlicht ist vor allem für den Einsteiger weniger geeignet, da das Porträt tendenziell zu flach wirkt. Günstiger ist Seitenlicht: Seht euch dazu einmal bewusst einige Gemälde der holländischen Maler Vermeer und Rembrandt an. Erkennt ihr, wie diese Künstler den Blick des Betrachters mithilfe des (Fenster-)Lichts auf bestimmte Gesichtszonen lenken und andere im Schatten lassen?

So weit müsst ihr das Spiel mit Licht und Schatten gar nicht treiben; aber nach dem zuletzt genannten Meister wurde sogar eine klassische fotografische Beleuchtungstechnik benannt – das Rembrandt-Licht. Dabei bildet sich auf der dem Licht zugewandten Gesichtsseite eine helle Fläche (mit einem Dreieck unter dem Auge), während die andere Gesichtshälfte mehr oder weniger im Schatten liegt. Die Wirkung ist plastisch, dramatisch und manchmal ein wenig düster. Der wichtigste Schlüssel zu dieser Technik ist eine Lichtquelle, die in einem Winkel von 45 Grad und leicht von oben auf das Model fällt.

Breite und schmale Beleuchtung

Versucht für den Einstieg, den einfachsten Parameter zu variieren – die Richtung des Lichts. Profis sprechen von „breiter“ oder „schmaler“ Beleuchtung. Eine breite Beleuchtung erhaltet ihr, wenn sich das Hauptlicht auf derselben Seite wie das sichtbare Ohr des Porträtierten befindet. Klingt kompliziert – ist es aber nicht: Euer Model stellt sich auf der einen Seite des Fensters auf, ihr auf der anderen. Dreht euch beide so, dass ihr euch frontal anseht. Jetzt bittet ihr euer Model, sich ein wenig vom Fenster abzuwenden. Ihr werdet feststellen, dass ein breites Glanzlicht vom Haar über die Wange bis zum Nasenrücken des Porträtierten reicht. Damit erhaltet ihr eine Beleuchtung, die das Gesicht kräftiger und flächiger wirken lässt – gut geeignet für eher hagere Gesichter, die etwas mehr „Fülle“ vertragen können.

Anders die schmale Beleuchtung: Wieder steht ihr euch gegenüber, das Fenster rechts bzw. links zwischen euch. Nun bittet ihr euer Model, sich ein wenig zum Fenster zu drehen. Der Großteil des Fensterlichts fällt damit auf den der Kamera abgewandten Teil des Gesichts. Ihr erhaltet deshalb ein sehr viel schmaleres Glanzlicht; das Bild wirkt häufig interessanter und markanter.

Keine dieser beiden Beleuchtungstechniken ist „professioneller“ als die andere – jeder Fotograf hat seine eigenen Vorlieben, auch abhängig von Geschlecht, Alter und Charakter des Porträtierten. Ihr solltet euch einfach mit den verschiedenen Möglichkeiten auskennen, damit ihr fundierte Entscheidungen für eure eigenen Bilder treffen könnt.

Die Spuren des Alters mit einem Reflektor abmildern

Gut sichtbare Falten, Tränensäcke und andere Spuren des Alters erfreuen keinen Porträtierten – glücklicherweise lassen sie sich durch die richtige Beleuchtungstechnik gut abmildern. Das schaffen nicht nur die Profis mit ihren Studioblitzen und Reflektoren, sondern es gelingt auch euch mit euren Smartphones! Das Wichtigste ist die Richtung des Lichts: Es sollte nicht nur von der Seite, sondern in abgeschwächter Form auch von unten auf das Gesicht treffen. Bevor ihr euch an akrobatischen Kunststücken versucht, nehmt einfach ein weißes, leicht glänzendes Stück Papier – der im Schreibwarenhandel oder Bürobedarf erhältliche Plakatkarton ist gut geeignet – oder eine Styroporplatte. Diesen Reflektor hält der Porträtierte wie ein Tablett unter sein Kinn (beispielsweise in Schulterhöhe). Bei einem im Sitzen aufgenommenen Selfie bietet es sich an, sich den Reflektor in den Schoß zu legen. Er fängt einen Teil des Lichts ab, wirft es von unten auf das Gesicht zurück und softet die Gesichtszüge ab.

Künstliche Lichtquellen nutzen

Das vorhandene Licht – in Fachkreisen „Available Light“ genannt – ist bei der Smartphone-Porträtfotografie künstlicher Beleuchtung immer vorzuziehen. Es gibt jedoch viele Situationen, in denen das Fensterlicht einfach nicht ausreicht. Dann müsst ihr euch Gedanken über andere Beleuchtungsquellen machen. Hier gilt derselbe Grundsatz wie beim natürlichen Licht: Je größer die Lichtquelle ist, desto weicher wirkt sie und desto vorteilhafter wird das Ergebnis.

Nehmen wir eine nackte, seitlich positionierte Glühbirne: Wenn ihr diese als Porträtbeleuchtung verwendet, erhaltet ihr sehr hart definierte Schatten auf dem Gesicht – außer vielleicht für einige markante Männerporträts ist ein solches Licht eher ungeeignet. Befestigt ihr jetzt ein durchscheinendes, weißes Laken so an der Decke, dass es zwischen Glühbirne und Model herabhängt, vergrößert sich die Lichtquelle im Endeffekt um ein Vielfaches und das Licht wirkt sehr viel weicher. Einen solchen Diffusor könnt ihr nicht nur mit einem Laken improvisieren; es kommen viele Materialien in Betracht, zum Beispiel durchscheinendes Papier oder Gardinenstoff. Eurer Kreativität sind auch hier keine Grenzen gesetzt.

Fazit

Wirklich großartige Aufnahmen sind oft das Ergebnis ungewöhnlicher Sets. Sobald ihr euch mit den Grundlagen vertraut gemacht habt, probiert einmal kreative Variationen unserer Vorschläge. Ihr werdet sehen, dass es gar nicht so schwierig ist, Porträts richtig auszuleuchten – und das Schöne ist unter anderem der geringe Aufwand, der für die Umsetzung und Abwandlung unserer Tipps nötig ist!

1 thought on “Porträts mit dem Smartphone? So geht’s…”

  1. Hallo, danke für die Tipps. Ja, es ist ein Leid mit den 3-4 Jahre alten Smartphones und der Bildqualität. Gerade bei Sonne erwartet man ja gute Fotos und in Wirklichkeit bekommt man einen milchigen Schimmer. Der große Vorteil an ein bisschen Bewölkung ist übrigens nicht nur das diffuse Licht. Man hat dann oft Wolken im Wechsel mit blauem Himmel als Hintergrund und das macht das Foto herrlich kontrastreich.

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